Kyudo Europameisterschaften

(verfaßt von Martin Berghold, erstmals erschienen im Bogensportjournal Nr. 3 /2002, S. 26-27)

Wie halten es die "japanischen" Bogenschützen mit Meisterschaften? Sind das nicht diejenigen, die den Wettbewerb als Widerspruch zu ihrem "spirituellen" Weg ansehen?
Tatsächlich können wir in Eugen Herrigels "Zen in der Kunst des Bogenschießens" nachlesen: "Aber wenn Sie dann mit beinahe jedem Schuß die Scheibe treffen, sind Sie nichts anderes als ein Kunstschütze, der sich sehen lassen kann. Für den Ehrgeizigen, der seine Treffer zählt, ist die Scheibe ein armseliges Stück Papier, das er zerfetzt. Die 'Große Lehre' des Bogenschießens hält dies für reine Teufelei" - so die überlieferten Worte seines Lehrers.
In Kyudokreisen wird dieses Thema auch immer wieder angesprochen und es gibt Schützen, die sich von Meisterschaften fernhalten. Aber das sind wenige. So wie auch Herrigels Lehrer zu seiner Zeit eher als Einzelgänger galt. In Japan werden ständig Meisterschaften geschossen, lokale und nationale, für Schüler und Studenten oder auch für die HANSHI, die Hochgraduierten.
So gibt es auch Europameisterschaften. In der Regel alle 2 Jahre. Die 7. ihrer Art fand am 13. und 14. April 2002 in Basel statt.
Der Austragungsmodus: am 1. Tag eine Mannschaftsmeisterschaft, max. 2 Team pro Nation mit je 3 Schützen. Am 2. Tag treten die besten 20 vom ersten Tag an, um die/den Einzelmeister zu ermitteln. Also keine Trennung Damen/Herren, keine Altersklassen.
Geschossen wird auf die klassischen 28 m auf ein Ziel mit 36 cm Durchmesser. Es zählt nur Treffer oder Nicht-Treffer, mit einer Ausnahme. Doch davon später.
Es gäbe auch andere Abläufe für Meisterschaften: in einem reinen Einzelbewerb werden im 1. Druchgang Stilpunkte vergeben. In der 2. Runde gehen die 10 besten Stilisten nur auf Treffer bei 10 Pfeilen.
Neben der Sauberkeit der Technik wird im Stil auch die Ästhetik der streng formalisierten Bewegungsabläufe bewertet, vom Betreten des Schießbereichs über die Schussfolge nacheinander bis zum Abtreten. Bei der EM in Basel selbst wurden keine Stilpunkte vergeben, aber der Bewerb lief ebenso nach den Regeln der Kyudo-Zeremonie ab.
Es gibt ungefähr 1500 Kyudo-Schützen in Europa, gut die Hälfte davon ist in Deutschland beheimatet. Grössere Verbände gibt es weiters in Frankreich, Italien, Grossbritannien, der Schweiz, Holland, Belgien, Finnland. Im Österreichischen Kyudo Verband sind rund 50 Kyudoka organisiert. Klein(st)e Gruppen gibt es in Island, Spanien und noch einigen anderen Ländern.
Österreich schickte ein 3er-Team, das guter Hoffnung anreiste. Alle 3 erreichen im normalen Training meist ein Trefferquote von 60-70%, was für Europäer recht gut ist. In der Meisterschaft fielen sie auf unter 50%, und belegten als Team den 9. von 14 Plätzen. Deutschland siegte vor Grossbritannien und Finnland.
So schossen am 2. Tag die 20 Besten ohne österreichische Beteiligung um den Einzelsieg. Nach 4 Pfeilen kommt es zu einem 2-Pfeile Stechen unter denen, die alle 4 hineinsetzen konnten. Da wieder die beiden Besten beide Male treffen, kommt es schließlich zu einem Stechen auf ein Mato (Ziel), und der Pfeil des Bayern Hans Rehm steckt näher zum Zentrum als der Pfeil seines Schweizer Konkurrenten. Das ist die einzige Situation, wo - wie oben erwähnt - im übertragenen Sinne Ringe gezählt werden.
Mit Interesse wird dabei beobachtet, welcher Stilrichtung die Sieger angehören. Zwischen den beiden Schulen des japanischen Bogenschießens, die im wesentlichen in Europa vertreten sind, herrscht ein natürliches Konkurrenzverhältnis. Der Sieger diesmal ist ein SHOMEN-Schütze. Fast 2 Monate später bei den österreichischen Meisterschaften mit 15 Teilnehmern gewinnt ein HEKI-Schütze.
Aber mehr über die Charakteristika der beiden Stile in einem späteren Artikel.


(Bild wurde von Feliks Hoff verschickt)