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Antwort von Mori Sensei auf die Frage nach der Beziehung von Kyudo und
Zen gegeben am 4. April 2001 im Rahmen eines Lehrgangs in Wien
In Japan wurde ein Buch unter dem Titel "Yumi to Zen" (Der Bogen
und Zen) herausgegeben, in Amerika erschien ein Buch unter einem ähnlichen
Titel und es gibt Herrigels Buch. Prinzipiell habe ich nichts dagegen
einzuwenden, wenn zu diesem Thema Bücher geschrieben werden. In der
Heki-Schule jedoch steht die Schießtechnik im Zentrum. Das bedeutet
nicht, dass es in der Heki-Schule keinen Bezug zu ZEN gäbe. Den gibt
es. Aber um den Geist (bzw. den Zustand) des ZEN zu verstehen, muss zuerst
die Technik in hohem Mass beherrscht werden. Als so wesentlich bewertet
die Heki-Schule die Technik.
Ich glaube, dass es auch im Kendo, Judo und manchen europäischen
Sportarten diesen Zustand des Bewusstseins gibt, wenn eine entsprechende
Technik in vollkommener Weise ausgeführt wird. Wenn man sich nur
mit Zen bemüht, diesen Zustand zu verstehen, kommt man nicht weit.
Um zu diesem Verständnis zu gelangen, müssen die Elemente des
Schusses wie TENOUCHI, KATTE, NOBIAI oder der exakte Zeitpunkt des Abschusses
sehr ausgereift und perfektioniert sein. Dann versteht man langsam, was
ZEN meint.
Es ist sehr schwierig, die eigene Schusstechnik richtig zu entwickeln.
Nach 20 Jahren Übung zieht man den Bogen mit grösseren Schwierigkeiten
als nach 10 Jahren, nach 30 sind die Schwierigkeiten noch einmal grösser
als nach 20. Je länger man den Bogen zieht ("den Bogen ziehen"
ist eine japanische Redewendung), desto schwieriger wird es. Aber so lernt
man das Bogenschießen richtig und wird den Begriff des richtigen
Daseins (Bewusstseins) bzw. was mit ZEN gemeint ist eher verstehen. Deswegen
ist es wichtig, dass man am Anfang 10 Jahre lang richtig die Technik übt.
Das ist eine Bogenwickelhülle die mein Lehrer Inagaki-Sensei anlässlich
seines 80. Geburtstages anfertigen liess. Die Inschrift besagt, wenn man
die korrekte Technik fleissig jahrelang geübt hat, wird man ein beruhigtes
Herz haben und ohne Furcht und Sorgen das Glück erfahren.
Wenn die Technik noch "jung" ist, noch nicht ausgereift, fürchtet
sich der Schütze noch vor dem Schuss. Später, wenn sich der
Schütze auf sein TENOUCHI und NOBIAI und die Arbeit der KATTE konzentrieren
kann, versteht er mit der Zeit sein Herz, in welchen Zustand es in diesem
Moment gerade ist. Wenn man diesen Zustand besser versteht, kann man diesen
Zustand auch in das Alltagsleben tragen. Das ist mit diesen Zeichen auf
der Bogenwicklung gemeint.
Es gibt Lehrer in Japan, die behaupten, ohne tiefere Kenntnis der japanischen
Kultur, Religion wie Shinto oder Buddhismus, könne man Kyudo nicht
verstehen. Ich glaube das nicht.
Des weiteren gibt es Lehrer, die das TAIHAI, die gemeinsam ausgeführte
Zeremonie, als das Zentrale des Kyudo ansehen. Das Niveau von TAIHAI ist
relativ einfach, der Schwierigkeitsgrad der Schießtechnik, mit anderen
Worten das Ziehen, auf das Mato zielen und treffen, lässt sich mit
dem des TAIHAI nicht vergleichen. Die Technik des Bogens ist viel anspruchsvoller.
Das Ziel des KYUDO liegt in einem anderen Bereich als im TAIHAI. Das TAIHAI
wurde erst in neuerer Zeit dem BUDO hinzugefügt und extrem ausgeweitet.
Am Anfang beschäftigt man sich nur mit der Technik, aber je mehr
man übt, um so eher weiß man, dass es nicht nur um die Technik
geht, sondern wie Bewusstsein sein soll, um alles kontrollieren zu können.
Am Anfang mache ich die Dinge so, später so und schließlich
so ... die Technik kann man mit der Zeit automatisch können. Was
aber später der Schwerpunkt ist, sind die Gedanken, welche Gedanken
man sich bei der Technik in seinem Kopf macht. Der Fokus wechselt mit
der Zeit vom Körper zum Kopf (Bewusstsein). Dann wird das Bewusstsein
klar. Deswegen heißt es seit alters her, dass die Übung der
Technik zugleich die Übung des Bewusstseins ist.
Man kann sich im Schießen immer neuen Herausforderungen stellen:
14 m ist schwieriger als vor dem Makiwara, ich kann eine leichtere Sehne
wählen, einen stärkeren Bogen, es gibt keine Grenze nach oben.
Früher brachte der Schütze sein eigenes Mato ins DOJO mit. Dies
konnte kleiner sein als die heute üblichen. War eine Trefferquote
mehr als zum Beispiel 60%, übte er auf diesem weiter, oder weniger
als zum Beispiel 50%, wechselte er auf ein grösseres über. Die
kleinsten waren 3cm im Durchmesser, das entspricht dem menschlichen Auge,
die grössten maßen 45 cm. Auf diese Weise hat man früher
das eigene Mato benutzt.
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