Mori Sensei - April 2001 - Szombathely

Die 5 wichtigsten Punkte für die Arbeit der Tsunomi (Urakami Sensei):


1.) Das Gleichgewicht von linker und rechter Hand erhalten
2.) Das Lösen - HANARE - muss gleichzeitig mit links und rechts erfolgen
3.) HANARE muss im Moment höchster Energie erfolgen
4.) Während des Auslösen - HANARE - muss der Bogen mit der linken Hand mit maximaler Kraft gedreht werden
5.) Die Energie muss nach dem Abschuss bis ins ZANSHIN weiterführen

TSUMEAI - TAI NO WARI KOMI - HAYAKE:

TSUMEAI - alles was dazugehört in einem Moment machen

Zum TSUMEAI gehören 4 Punkte, die gleichzeitig gemacht werden:
— HOZUKE (der Pfeil an der Wange)
— MUNAZURU (die Sehne an der Brust)
— Das richtige Zielen
— Die richtige eigene Auszugslänge

Wenn man vom SANBUNONI kommt muss man im TSUMEAI diese 4 Punkte gleichzeitig erledigen. Wenn man das hat, hat man im NOBIAI die Aufgaben, die TSUNOMI (das Drehen des Bogens), die Drehung der rechten Hand aus dem Ellbogen (HINERI) und die Kräfte beidseitig zu steigern. Solange man das nicht kann, muss im NOBIAI das noch weiter versucht werden - das ist eine Quelle für Fehler.

Das HOZUKE kann man selbst kontrollieren und sich selber bewußt machen.

Das Zielen ist schwierig. Links/rechts ist relativ leicht zu korrigieren durch einen älteren Schützen der hinter dem Schießenden steht. Beim Einrichten von hinten gilt als Regel: der Pfeil soll innerhalb des MATO sein. Durch Unwägbarkeiten wie z.B. einen nicht optimalen Bogen, schwankendes Pfeilgewicht oder die Handschuhform ergibt sich der Spielraum innerhalb des Zielbildes (MATO).
Schwieriger ist das vertikale Zielen. Bei Anfängern gehen die Pfeile leicht zu tief. Als Reaktion darauf wird die Hand im Abschuss nach oben genommen. Hier ist die Verantwortung der Älteren gefordert. Wenn die Pfeile unter das Ziel gehen aber der Schuss sonst ordentlich ist, muss das Zielbild korrigiert werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Pfeil richtig an der Wange anliegt (HOZUKE).

Zusammengefaßt:
— Der richtige Punkt des Pfeiles an der Wange
— Die Sehne an der Brust
— Das richtige Zielen
— Die eigene Auszugslänge soll erreicht sein

Anfänger benötigen eine längere Zeit zwischen SANBUNONI und TSUMEAI.

TAI NO WARI KOMI

Wenn im NOBIAI die Kraft richtig gesteigert wurde, geht im Abschuß der Oberkörper 3-4 cm nach vorne.

Um aus der Stabilität des Oberkörpers heraus die Geschwindigkeit des Pfeiles im Abschuss zu steigern ist das TAI NO WARI KOMI eine gute Hilfe. Wenn man mit dem Oberkörper nach vorne kommt, unterstützt dies die Bewegung der Arme nach hinten. Weil man das bewusst machen muss, ist es gut, dies zuerst am MAKIWARA zu üben. Wenn man das im eigenen Körper zum Reflex geübt hat über 10 Jahre, kann man danach über 30-40 Jahre ohne große Fehler so weiter schießen.

Später kann es zum YURUMI kommen, das dann zum festen Fehler des Schützen wird - und das kann man vermeiden, wenn man das TAI NO WARI KOMI macht. Es kommt auch vor, wenn man ohne TAI NO WARI KOMI abschießt, dass die linke Hand nach vorne drückt. TAI NO WARI KOMI unterstützt also auch die Arbeit der TSUNOMI (das Drücken und Drehen mit der linken Hand am Bogen).

Wenn man 2 Tage übt, soll man am 1. Tag 2-3 Schuss am MAKIWARA ein bewusst übertriebenes TAI NO WARI KOMI machen, damit es im Körper drin ist. Dabei soll man nicht umfallen und die Fersen nicht anheben. Solange sich die Fersen nicht heben, darf es noch stärker geübt werden. Wenn man das 15-20 Jahre macht, wird die anfänglich übertriebene Bewegung kleiner.

HAYAKE - zu früh abschießen vermeiden

In Japan tritt es oft innerhalb der ersten 2-3- Jahre auf, wenn man viel schießt. Wenn man die Bewegungen kann, dann kommt die Zeit, daß man früher abschießt, als man selbst abschießen möchte. Bei unserer Trainingshäufigkeit erfolgt das vielleicht nach 5-6 Jahren.

Wenn man bis zum HOZUKE kommt, geht es noch. Doch es gibt auch einen Abschuss schon vor dem HOZUKE z.B. schon im SANBUNONI. Ungefähr 80% der Schützen kommen in die Situation des HAYAKE.

Wenn man es selbst zulässt zu früh abzuschießen, wird es ganz rapide schlechter und ist kaum noch zu korrigieren - man denkt es ist nicht so schlimm. Es ist meist ein Zeitpunkt, wo man gut trifft und ohne große Anstrengung weiter Treffen möchte. Wenn man das merkt, muss man mit aller Kraft gegen das zu frühe abschießen ankämpfen.

Das selbe Problem gilt auch für das YURUMI (das Zurückgehen mit der rechten Hand). Bei kleinem YURUMI kann man noch Treffen. Wenn man nicht dagegen ankämpft wird es größer und ist fast nicht mehr zu korrigieren

Wenn man das bewusst macht und immer aufpaßt, muß man viel schießen, um dann langsam besser zu werden.

Verschiedene HAYAKE:
— damit man besser trifft. Das kann kaum verbessert werden. Schlagen mit dem Stock oder ein kräftiges Wort.
— im TSUMEAI wird die Kontrolle verloren (Durcheinander im Kopf) und deshalb wird zu früh abgeschossen. Die Aufgabe einfacher machen, z.B. MAKIWARA, schwächerer Bogen größeres MATO, kleinere Distanz schießen lassen.
— HAYAKE als psychischer Zustand aufgrund einer schlechten Kindheit oder schwerer Erlebnisse

Diese Fehler sind so etwas wie die Pubertät. Ein Problem ist es, wenn man es durchgehen lässt. Wenn man es durchgehen lässt, kann es bis zum Tod bleiben - dies gilt auch für das YURUMI.

Geschichte des Bogenschießens

Das KYUDO (jap. Bogenschießen), das ihr macht, ist ein Ausschnitt - ein Teil des weltweiten Bogenschießens. Es gibt einen amerikanischen Völkerkundler (Moss), der das Bogenschiessen auf der ganzen Welt untersucht und in 3 Teile eingeteilt hat:

— Das jap. Bogenschiessen gehört zur mongolischen Form, weil man die Sehne mit dem Daumen hält.
— Im Gegensatz dazu halten die Mittelmeerländer die Sehne mit 3 Fingern.
— Die 3. Methode ist die Pitch-Form, bei der man den Pfeil mit Daumen und Zeigefinger hält. Die Nocke hat dabei eine Kugelform.

Bei der Pitchform kann der Pfeil links oder rechts vom Bogen sein.
Bei der Mittelmeerform ist der Pfeil immer links, sonst fällt der Pfeil herab.
Bei der mongolischen Form muss der Pfeil rechts sein, sonst drückt ihn der Finger über dem Daumen vom Bogen weg.

Bei der mongolischen Form gab es in Japan drei Bereiche der Anwendung des Bogens.

— Die erste Form ist die HOSHA Form, bei der der Schütze steht oder kniet. Es gibt auch die Form im KIZA oder mit beiden Knien am Boden: YAGURA.

— Die 2. Art ist KISHA. Insbesondere gab es mit dem 8. Shogun in der Edozeit einen Boom, bei dem die Samurais das Schießen vom Pferd gelernt haben. Bei den Arten des Schiessens vom Pferd (KISHA) gibt es YABUSAME, INUO MONO, KASA MONO, KASA GAKE (auf den Hut schießen). Das YABUSAME fand auf einer 150 m langen Bahn mit 3 MATO's statt, auf die nacheinander geschossen wurde. Dafür gibt es eine besondere Technik z.B. mit dem zentralen Heben des Bogens (USHIOKOSHI). Der Reiter wendet sich nach links in Richtung Zielscheibe. Das Pferd rennt eine gewisse Strecke und das MATO ist links vor einem in Richtung der Rennbahn des Pferdes. Man zielt auf des MATO und das Pferd rennt, das MATO kommt näher und man spannt nach links auf, hat das MATO immer im Visier. Bogenschiessen zu Pferd gab es früher auch schon zur Jagd oder im Krieg und dort hat man das YUGAMAE auch seitlich gemacht. Aber beim YABUSAME hat man das so festgelegt wegen der festen Bahn. Diese Form des Haltens des Bogens ist auch heute in Japan noch die weitverbreitete Form, den Bogen zu halten. Eine Schwierigkeit dabei ist, das TENOUCHI während dem Ausziehen zu machen.

— Die 3. Form - DOSHA - wurde an einem großen Tempelgebäude in KYOTO geübt. Gesamtlänge war 120m mit Außenterrasse unter einem Vordach von etwa 5 m Höhe. Die Veranda ist 2.5 m breit. Das Ziel dabei war, den Pfeil so zu schießen, dass der Pfeil am anderen Ende ankam, ohne dass er oben das Dach berührt. Dabei gab es Wettkämpfe über 24 Std. bei denen gezählt wurde, wie viele Pfeile geschossen wurden und wie viele Pfeile angekommen waren. In dieser Zeit war Japan in Fürstentümer aufgeteilt und die Samurais der verschiedenen Fürsten wurden angehalten, daran teilzunehmen. In diesem Tempel sind noch alle Dokumente dieser Wettkämpfe aufbewahrt. Der Rekord war bei über 13000 Pfeilen in 24 Std. ohne zu schlafen. Davon sind über 8000 am anderen Ende angekommen. Wenn man das nachrechnet, wären das pro Minute über 10 Pfeile. Normalerweise war nach 500 Pfeilen immer eine Pause mit Tee und Essen. Es gibt auch ein Buch, in dem die Voraussetzungen beschrieben sind, wenn man teilnehmen wollte. Die Kosten waren 1000 YO (Jahresgehälter) für die Materialien. Gegen Ende der EDO Zeit wurde dieses Schießen verboten, weil der Aufwand zu hoch war und das Geld ausging. Es war ein Samurai-Spiel jedes mal den Rekord zu brechen. Viele, die es nicht geschafft haben, haben sich den Bauch aufgeschlitzt. Als diese Wettkämpfe den Höhepunkt erreicht hatten, gab es verschiedene Entwicklungen, um die Entwicklung der Materialien zu verbessern - andere Pfeile, Bögen, Handschuhe, etc. Auch wurden von den Schützen die Leute bestochen, welche die Pfeile gezählt haben oder die Schützen versuchten, näher zum Ziel hin zu rücken, bis man dann auf der Veranda eine Sperre aufbaute.

Es gibt also 3 Techniken - davon ist eine HOSHA;

HOSHA: der Schütze ist zu Fuß vor dem MATO. Diese Technik hat eine sehr lange Entwicklung gemacht vom 9. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Hauptsächlich im Krieg, wobei es darum ging, zu überleben. Auf dem Höhepunkt, als die Technik fast ausgereift war, hat HEKI MASATSUGO DANJO diese Technik festgelegt, formuliert und vervollkommnet. Diese Technik ist dann in verschiedenen Schriften niedergelegt und wenn man INAGAKI Sensei einschließt in 19 Generationen überliefert worden.

Es gibt 3 Formen der Überlieferung:

— Die mündliche Überlieferung
— In Stichworten (60) - MOKUROKU = Inhaltsverzeichnis
— In Form von Gedichten - WAKA = 31 Silben Gedichte - Verschiedene Gedichtsammlungen

Das Versprechen dabei ist: wenn man das Schiessen gemäss dieser Überlieferung erlernt, wird man das MATO immer in der Mitte treffen. Wenn man nicht trifft, hat man irgend etwas nicht beachtet oder vergessen.

Es gibt 5 Formen des Schiessens:

— MATO MAE, wo man das Treffen übt
— MAKIWARA MAE - nicht als aufwärmen sondern am Fürstenhof zu Festzeiten. So haben die höchsten Meister die Technik gezeigt.
— KAZUYA MAE: viele Pfeile hintereinander auf dem Schlachtfeld, wenn der Feind angreift. Das wurde später umgewandelt für das SANJUSANGENDO Schießen (Schießen am Tempel).
— TEKI MAE (TEKI = Feind). In Rüstung und Helm mit scharfen Spitzen, welche die Rüstung durchdringen sollen.
— TOYA MAE: Mit einem leichten Pfeil möglichst weit schießen um die eigenen Technik zu verfeinern.

In der EDO Zeit gehörte es zur Ausbildung eines Samurai, dass er täglich diese 5 Arten schoß. Es ist ein Tagebuch aus dieser Zeit erhalten, woraus man das Trainingspensum ersieht. Insgesamt 1000 Pfeile pro Tag:
300 MATO
500 Schnellschießen
der Rest verteilt auf die anderen Schießarten.

Für einen jugendlichen Samurai von etwa 12-13 Jahren um am Anfang die Kunst des KYUDO zu erlernen.

Was das sagen will:
Man muss verstehen, wenn man diese Kunst erlernen will, muss man möglichst viele Pfeile schießen. Bewusst werden, was man macht und die Bewegung kontrollieren lernen. Insbesondere der Gebrauch der Finger ist sehr differenziert und die Gehirnmasse, die dafür zuständig ist, ist sehr groß.

Die Schüler von HEKI DANJO, YOSHIDA, INSAI sind alle über 70-80 Jahre alt geworden. Beim damaligen Durchschnittsalter von 40-50 Jahren ist das sehr viel. INAGAKI Sensei wurde 84 Jahre alt, URAKAMI Sensei 89 Jahre alt. Man sagte vor langer Zeit, dass Bogenschützen lange leben. Immer im Mai sind in KYOTO die alljapanischen KYUDO Meisterschaften. In der Gruppe der HANSHI Schützen hat vor 5 Jahren ein 100-jähriger gewonnen. Dabei wurde auch das Treffen und das korrekte Schießen gewertet.