Peter Hammerschick ist der erfahrendste Heki-Schütze Österreichs, er praktiziert und unterrichtet in Linz. Interessierte können per EMail direkt mit ihm in Kontakt treten: hammer@posthof.at
Einige Fragen über sich und seinen Bezug zu Kyudo hat er uns in folgendem Interview beantwortet:
 



MOMIJI KAI: Peter, wie war das, als Du mit Kyudo begonnen hast? WANN war das überhaupt? Ich meine, Kyudo ist heute in Österreich eine absolute Randsportart - was war es damals?
MIYAKONOJO 1992: Der siebte von links in der Reihe heißt Peter Hammerschick

Peter Hammerschick 1993
(© Ella Raidel, Wien)

Peter Hammerschick 1993
(© Ella Raidel, Wien)

August 2002 in Szombathely
Hammerschick:

Mein Interesse galt damals eigentlich dem Reflexbogenschiessen, über das, da es von der Schießtechnik Ähnlichkeit hat, kam ich auf Kyudo und besuchte das Alsterdojo in Hamburg, wo ich Feliks F. Hoff kennenlernte und von ihm erfuhr, dass er im Stift Geras einen Kyudolehrgang, in Verbindung mit Zazen bei Hrn. Obermayr, abhalten werde. Das war Pfingsten 1990 und ich nahm daran teil. Die Gruppe war eigentlich recht groß, u.a. war Martin Berghold auch dabei. geblieben von damals sind Wilhelmine Beutnagel (inzwischen verheiratet in Deutschland) und durch Ausscheiden von Martin ich. Also die Fluktuation im Kyudo ist sehr groß, da ich glaube, daß die meisten sich das berühmte Zen-Erlebnis erwarten. Also ich glaube Kyudo wird immer eher eine Randsportart bleiben.

MOMIJI KAI: 1992 hast Du ja den 7.Platz bei irgendeinem Turnier in Japan errungen - was war das genau?
Hammerschick: Das war das "1st International Taikai" also eine Art Weltmeisterschaft unter Ausschluss von Japan. Es waren 101 Teilnehmer aus 14 Ländern. Ich machte damals 2 Jahre Kyudo, das ist der Abschnitt, u.a. auch lt. Inagaki-Sensei, wo ein guter Schütze eine große Trefferquote aufweist und bei mir wars eben so. 1999 übrigens wurde eine Deutsche Siegerin, die auch erst 2 Jahre Kyudo machte.
MOMIJI KAI: Anläßlich Deines Erfolges damals gab' es dann 3 Artikel: Im Profil Nr. 24, 9. Juni 1992, im Linzer Teil der Krone, 23. Juli 1992 und im Linzer Stadtmagazin Nr. 87, Juli 92. Jeweils ca 1 Seite. Diese Artikel sind alle etwas verschieden aufgebaut, doch was sie gemeinsam haben ist, daß Du darin Kyudo ansich erklärst, jedoch kein Wort des Triumphes von Dir gibst. Warst Du denn gar nicht stolz?
Hammerschick: Es war für mich ein Anlaß Kyudo in den öffentlichen Medien zu präsentieren. Natürlich war ich ein bißchen stolz, aber das Niveau in Miyakonojo (wo das Taikai stattfand) war eher Durchschnitt, was meine Euphorie doch etwas dämpfte. Die gute Plazierung brachte mir aber Anerkennung bei Allen, auch den japanischen Senseis und das war für mich sehr schmeichelhaft.
MOMIJI KAI: Wie Du mit Kyudo begonnen hast, was hast Du darin gesucht?
Hammerschick: Bogenschiessen der etwas anderen Art.
MOMIJI KAI: Und wenn Du heute zurückblickst, was hast Du darin gefunden?
Hammerschick: Lernen über das Lernen.
MOMIJI KAI: Interessiert Dich eigentlich Japan mit seiner Kultur als solches, oder ist es nur das Kyudo welches Dich so fasziniert?
Hammerschick: Durch Kyudo begann ich mich intensiver mit japanischer Kultur auseinanderzusetzen. War aber vorher schon fasziniert von der japanischen Ästhetik. Überdies interessiert mich Zen-Buddhismus, bin aber kein Praktizierender.
MOMIJI KAI: Was meinst Du, was der Grund dafür ist, daß Kyudo in Österreich so unpopulär ist?
Hammerschick: Die vielbesungene österreichische Gemütlichkeit und das Nicht-Durchhalten Können oder Wollen.
MOMIJI KAI: Würdest Du Dir wünschen, daß es populärer wird, oder würde es die Sache zerstören, wenn Kyudo in Österreich plötzlich zum Massensport würde?
Hammerschick: Da die Gefahr des Massensports nicht gegeben ist, seh ich da keine Gefahr. Hätte aber trotzdem gerne mehr Interessenten.
MOMIJI KAI: Interessierst Du Dich eigentlich auch für Fußball, oder drehst Du dem Massensport den Rücken zu?
Hammerschick: Für Fußball interessiere ich mich nicht, außer bei Welt- und Europameisterschaften. Meine Domäne ist der Motorsport, Motorrad im speziellen.
MOMIJI KAI: Wenn jemand zu Dir kommt, und will Kyudo lernen, was vermittelst Du diesem Menschen als erstes?
Hammerschick: Daß Kyudo Kyudo ist und nicht "Zen-Bogenschiessen". Kyudo muss erst mal in seiner schwierigen Technik (komplizierter Bewegungsablauf mit damit harmonisierender Atmung) erlernt werden, alles andere wäre das berühmte "Pferd von der falschen Seite aufzäumen".
MOMIJI KAI: Danke für das Interview!