|
Erlebnisbericht von Dr. Michael Hiller: Überschwemmungen, Katastrophen und es regnet weiter. Das Dojo der Mezès-Brüder wird zur Arche der Heki. Der Sensei persönlich steuert zwei japanische Studentinnen bei. - So sind die Aussichten schon besser. Szombathely - manche sagen auch Stein am Anger, und das trifft die Sache besser - feiert 2000 Jahre. Das Dojo - eine wunderhübsche Holzanlage am Rand der Stadt muß gerade jetzt eingeweiht werden. Das bedarf einer langen shintuistischen Zeremonie mit Fisch- und Weinopfern, Pfeilen in alle Himmelsrichtungen und vielen vielen Schüssen auf die bis zum Schluß nahezu unbefleckten Matos (für westliche Prosaiker ist der Unterhaltungswert begrenzt). Die Hausherren und der Meister scheinen zufrieden. Bei allen Teilnehmern entsteht der Eindruck, daß sie im Lauf der Tage ihre Schießtechnik - sogar wesentlich - verbessert haben. Mit einer, allerdings prominenten und daher umso bedauerlicheren Ausnahme. Mein eigener Fortschritt war eminent: Der Sensei spricht mit mir persönlich - nicht wie beim vergangenen Lehrgang mit meinem Lehrer . Allerdings korrigiert er derart grundlegende Dinge, daß sich Depression über vergeudetete 2 Jahre breit macht. Am letzten Tag ruft er mich, er habe mich beobachtet und findet am Schießen selbst keine Fehler. "Only - try to hit the target! - mentally; in your mind" (wie gut, daß unser bayrischer Hans japanisch versteht). Freudige Verbeugung beiderseits. Die nächsten 4 Pfeile ergeben 4 Treffer, sodaß ich das Seminar etwas früher beende. Mit weltmeisterlichen Gefühlen (für mein Kyudoselbstwertgefühl seither wäre es allerdings besser gewesen, daraufhin den Bogen an Ort und Stelle zu verbrennen). Als wesentlichste Erkenntnis hat sich bestätigt, daß man die wundgeschossene linke Hand am besten an schlanken Biergläsern kühlt. |