stattgefunden am 18. November 2007
Bereits vor dem offiziellen Beginn der Interarc 2007 sind die Schützen voll im Einsatz. Kräftig wird auf die aufgehängten Matos (Zielscheiben beim japanischen Bogenschießen) geschossen. Die Spannung ist groß, während im Hintergrund die letzten Vorbereitungen für das wichtige Buffet getroffen werden. Kaum jemand bemerkt den dunklen Schatten, welcher mit einer Kamera bewaffnet in alle Ritzen und Ecken späht und niemanden entkommen lässt. Für den Laien bietet sich hier ein interessantes Bild. In der Sporthalle im Hof des Karl-Seitz-Gemeindebaus (Wien 22) treffen sich jetzt, Mitte November, die Vertreter unterschiedlicher Bogensportarten zur vierten Auflage eines gemeinsamen Turniers. Viele sind in traditioneller Kleidung gekommen. Bis zu sechst aufgereiht stehen hier Schützen und schießen mit Langbögen, Reiterbögen und Yumis auf etwa 28 Meter entfernte Ziele. Die Spannung ist greifbar. Niemand gibt sich eine Blöße. Dann ist es soweit. Der Organisator, Michael Hiller, erklärt kurz den Ablauf. Zu kurz möchte man meinen, kaum hat man Zeit sich seelisch auf die bevorstehende Herausforderung vorzubereiten. Dann erläutert der Wettkampfrichter, Robert Volpini, die Regeln. In jeder Runde, ausgetragen von maximal sechs Schützen, werden pro Schütze vier Pfeile geschossen. Jeder Schuss, der ins eigene Mato trifft wird als Punkt gewertet. Sollte ein Schütze versehentlich mehr als vier Schuss in einer Runde abgeben, so wird ein Treffer pro überzähligem Schuss aberkannt. Geschossen werden insgesamt 40 Pfeile. Nach dieser kurzen Einleitung stellen sich auch schon die ersten sechs Schützen an die Linie. Dann der Pfiff. Es geht los. Manch ein Schütze kommt einem vor wie ein menschliches Maschinengewehr und schießt Salven im einstelligen Sekundenbereich ab. Hingegen die japanischen Schützen richten sich gemächlich ein und brauchen oft bis zu einer Minute pro Schuss. Wäre dies eine Schlacht, es würden wohl die westlichen Zivilisationen den Sieg erringen. Aber es gleicht sich wieder aus. Sie mögen langsamer sein, aber die Trefferquote mancher Kyudoka führt bis zur Halbzeit die Liste an. Eine Runde um die andere vergeht und das Feld ist noch immer recht knapp beisammen. Keiner der Schützen weiß so richtig, wo er steht. Nach fünf Runden wird endlich ein Zwischenergebnis genannt und merklich fällt die Belastung von allen ab. Nun endlich hat man Gewissheit. Nun endlich hat man Pause. Das opulente Buffet lässt nahezu keine Wünsche offen. Von verschiedenem Brot über diverse Beilagen und Hauptgerichte hin zu süßen Kleinigkeiten und einer Reihe von Getränken ist vieles zu haben. Nach etwa einer Stunde geht es weiter. Zuerst werden die Anwesenden Zeugen eines auch in der Kyudo-Welt nicht so alltäglichen Schauspiels. Zwei der Bewerber, Diethart Leopold und Christian Ofenbauer, zeigen eine spezielle, zeremonielle Form des japanischen Bogenschießens. Nach der Mittagspause entdecken wir, dass inzwischen ein 18. Bewerber hinzugekommen ist, ein weiterer Kyudoka, der auf Grund der Verspätung außer Konkurrenz schießt. Die Anstrengung ist allen Teilnehmern gemeinsam. Aber niemand gibt kampflos auf. Das lässt das Nenngeld nicht zu. Wie ein Trommelfeuer prasseln weiter die Pfeile auf die Ziele hernieder. Kaum ein Moment vergeht in dem nicht der Knall eines Treffers die Luft zerreißt, wie Handys die Stille in der U-Bahn. Doch auch nach den vorgeschriebenen zehn Runden ist es noch nicht zu Ende. Die Meisterin des westlichen Bogensports und der österreichische Kyudomeister, beide erzielten 31 Treffer, liefern sich ein Duell bei dem die Kontrahenten abwechselnd auf dieselbe Scheibe schießen. Als der Wettkampfrichter das Ergebnis betrachtet, wird es still. Der Gewinner steht fest. Mit vier von vier Treffern liefert Diethart Leopold einen schönen Abschluss für den Wettbewerb und erringt damit auch den ersten Platz vor Urte Paulus, die nur einen Treffer hinter ihm liegt. Rückblickend betrachtet kann man nun also nicht sagen, welche Ausrichtung des Bogensports_ besser_ , _ treffsicherer_ oder sonst was wäre, denn alle haben sich gut geschlagen und selbst das Endergebnis hätte auch anders aussehen können. Leider waren viele ausländische Schützen auf Grund der schlechten Witterung nicht in der Lage teilzunehmen und so war der Kreis der Schützen recht klein. Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, der einzig mehr Teilnehmer wohl bekommen wären. Zur Ergebnisliste |